Festjahr: 475 Jahre Stadt Burglengenfeld

Die Ausstellung „Burglengenfeld früher und heute“ präsentiert historische Ansichtskarten und Fotos aus dem Bestand des Volkskundemuseums. Sie ist von Dienstag, 1. August, bis Freitag, 22. September, im historischen Rathaussaal zu sehen.
Die Ausstellung „Burglengenfeld früher und heute“ präsentiert historische Ansichtskarten und Fotos aus dem Bestand des Volkskundemuseums. Sie ist von Dienstag, 1. August, bis Freitag, 22. September, im historischen Rathaussaal zu sehen.
Das offizielle Logo für das Jubiläumsjahr.
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Ein Wiedersehen mit den Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp (Michael Chwatal und Florian Bitterer, hier beim Stadterhebungstag 2016) gibt es bei einem kleinen historischen Schauspiel am Sonntag, 30. April, vor dem Rathaus.
Ein Wiedersehen mit den Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp (Michael Chwatal und Florian Bitterer, hier beim Stadterhebungstag 2016) gibt es bei einem kleinen historischen Schauspiel am Sonntag, 30. April, vor dem Rathaus.
Die Schlossbrauerei Naabeck braut auf Bitte der Stadt das Burglengenfelder Jubiläumsbier. Es soll nach der offiziellen Vorstellung auch kastenweise verkauft werden.
Die Schlossbrauerei Naabeck braut auf Bitte der Stadt das Burglengenfelder Jubiläumsbier. Es soll nach der offiziellen Vorstellung auch kastenweise verkauft werden.

„Die Bestätigung der Marktprivilegien und die Stadtrechtsverleihung an die Marktgemeinde Lengfeld im November 1542 verschafften der Bürgerschaft einen nie gekannten Aufschwung und eine Blüte in Handel, Handwerk und Gewerbe, wie sie weder vorher noch später jemals wieder erreicht worden sind“, schreibt Dr. Margit Berwing-Wittl in ihrer Chronik „Burglengenfeld – Die Geschichte der Stadt und ihrer Ortsteile“. 475 Jahre Stadt Burglengenfeld sind im Jahr 2017 also ein guter Grund zum Feiern. 

Weil schon etliche Nachfragen zum Thema im Rathaus eingegangen sind, stellt Bürgermeister Thomas Gesche klar: „2017 jährt sich zum 475. Mal die Verleihung der Stadtrechte durch die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp. Burglengenfeld ist freilich viel älter.“ 

Zu dieser Frage lohnt abermals der Blick in Berwing-Wittls Chronik. Die frühesten bislang dokumentierten Funde – Silexklingen, die auf die planmäßige Verwendung von Steinwerkzeugen hinweisen – stammen aus einer Höhle beim Malerwinkel nahe der Köblitzplatte sowie aus der Vorstadt. Erster Beweis für eine regelmäßige, wenn auch noch lockere Besiedlung dürften Keramik, Waffen und Schmuck aus der Bronzezeit (1750 bis 1250 vor Christus) sein, die ebenfalls im Bereich der heutigen Vorstadt gefunden wurden. Die Ortsnamen „Langenfeld“ oder „lengin velde“ (= Siedlung beim langen Felde) weisen in das 8. Jahrhundert zurück. 

325. Geburtstag von Johann Michael Fischer

Konsequenter Weise steht der Blick zurück in die reiche Geschichte der Stadt auch im Zentrum der Feierlichkeiten zum Jubiläum „475 Jahre Stadt Burglengenfeld“. Gleich im Februar trifft die Erinnerung an die Verleihung der Stadtrechte zusammen mit dem Geburtstag des berühmtesten Sohnes der Stadt: Baumeister Johann Michael Fischer, der Vollender der Spätbarocken Baukunst in Süddeutschland, könnte am 18. Februar seinen 325. Geburtstag feiern. 

Daher wird Fischer gleich zweifach geehrt: Am Samstag, 18. Februar, um 18 Uhr spricht Dipl.-Ing. (Univ.) Franz Peter, Mitinitiator der großen Fischer-Ausstellung 1995 und Mitherausgeber von Fischer-Fachliteratur, im historischen Rathaussaal. Die Fischer-Ausstellung kehrt nach Jahren der Wanderschaft zurück nach Burglengenfeld – zumindest in ihren wesentlichen Teilen. Die (unter anderem!) dafür neu gestalteten Räumlichkeiten werden ebenfalls am 18. Februar um 19:30 Uhr im Oberpfälzer Volkskundemuseum eröffnet, dieser Termin wurde bewusst ins Jubiläumsjahr gelegt. Bitte beachten Sie: Beide Veranstaltungen sind nur für geladene Gäste; das "neue" Museum ist ab dem 19. Februar zu besichtigen.

25 Jahre Städtepartnerschaft mit Radotin (Tschechien)

Ein weiteres Jubiläum steht im April an: 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Radotin (Tschechien). Hierzu findet am Samstag, 1. April, ein Festakt in der Stadthalle statt, bei dem Schüler des Kommunalen Musikunterrichts Burglengenfeld-Teublitz ebenso musizieren, wie der Nachwuchs der Musikschule Radotin. Von Montag, 3. April, bis Freitag, 14. April 2017, ist anlässlich des Partnerschafts-Jubiläums eine Kunstausstellung mit Werken tschechischer Künstler im historischen Rathaussaal zu sehen.

Jubiläumsvolksfest, Festzug und historisches Schauspiel

Das wohl publikumsträchtigste Ereignis ist das Jubiläumsvolksfest von Donnerstag, 27. April, bis Montag, 1. Mai, auf dem Volksfestplatz. Von besonderem Interesse dürfte hier der Festsonntag, 30. April, sein. Er beginnt um 13 Uhr mit einer Stehweil auf dem Marktplatz zur Begrüßung der Vereine und Ehrengäste mit Bierausschank und Standkonzert der Musikkapelle St. Vitus. Ab 14 Uhr ist vor der prächtigen Kulisse des Rathauses ein kleines historisches Festspiel zu sehen, verfasst von Michael Chwatal mit Unterstützung von Gerhard Schneeberger. Im Zentrum der Handlung steht ein Blick zurück auf die Ereignisse rund um die Verleihung der Stadtrechte; Protagonisten sind die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp, der damalige Bürgermeister, Stadtwächter und Marktfrauen sowie ein dreister Eierdieb.

Im Anschluss bewegt sich ein großer Festzug zum Festzelt auf dem Volksfestplatz, zu dem die Stadtverwaltung außer den örtlichen Vereinen auch historisch gewandete Fußgruppen, Musikkapellen und Fahnenschwinger eingeladen hat. Ein Festnachmittag mit Blasmusik schließt sich im Festzelt an. 

Informationen zum Programm des Jubiläumsvolksfestes finden Sie hier.

Im Museum: „Burglengenfeld von A - Z“

Vielversprechend klingt ein Projekt, das sich Dr. Margit Berwing-Wittl für das Jubiläumsjahr 2017 vorgenommen hat: „Burglengenfeld von A - Z“ lautet die Sonderausstellung, die von Sonntag, 14. Mai, bis Sonntag, 20. August im Oberpfälzer Volkskundemuseum zu sehen ist.

Auch die Städtepartnerschaft mit Pithiviers darf bejubelt werden: Die seit 40 Jahren bestehende Verbindung ist bereits im vergangenen Jahr beim Besuch des Burglengenfelder Partnerschaftsvereins in Frankreich gefeiert worden, nun wird im Mai zu Christi Himmelfahrt die Delegation aus Pithiviers in der Oberpfalz erwartet.

Gebäude, die die Stadt über Jahrhunderte geprägt haben und zum Teil heute noch prägen: „Fürstenmacht und Bürgerstolz – Bautätigkeit in Burgengenfeld in pfalz-neuburgischer Zeit“ ist das Thema eines Vortrags von Dr. Maria Rita Sagstetter, der Leiterin des Staatsarchivs Amberg, im historischen Rathaussaal am Mittwoch, 14. Juni, um 19 Uhr. Übrigens: Ihre endgültige und prachtvollste Ausbauphase erreichte die Lengfelder Burg in eben jener Zeit unter der Regentschaft von Kurfürst Philipp ab 1535.

Ausstellung: Historische Ansichtskarten und Fotos 

Am Samstag, 24. Juni, geht’s gleich weiter mit der Italienischen Nacht auf dem Unteren Marktplatz, heuer spielt das „Trio Salato“. Tags drauf, am Sonntag, 25. Juni 2017, folgt um 18 Uhr im/vor dem Rathaus der Heimatempfang für den Primizianten Daniel Schmid, der am 24. Juli im Regensburger Dom zum Priester geweiht wird. Am Sonntag, 23. Juli, steht das Kinderfest der Stadt im Terminkalender des Jubiläumsjahres.

Historische Fotos aus und von Burglengenfeld finden regelmäßig großes Interesse in den digitalen sozialen Netzwerken wie Facebook. Quasi die analoge Antwort darauf ist von Dienstag, 1. August, bis Freitag, 22. September, die Ausstellung „Burglengenfeld früher und heute“. Dr. Margit Berwing-Wittl präsentiert historische Ansichtskarten und Fotos aus dem Bestand des Volkskundemuseums und neue Fotografien von Werner Binder, früher Lehrer am Johann-Michael-Fischer-Gymnasium, im historischen Rathaussaal. Einen kleinen Vorgeschmack darauf liefert der aktuelle Burglengenfelder Bildkalender für das Jubiläumsjahr 2017.

„Strategische Entscheidungen? Heiraten des Hauses Pfalz-Neuburg“

Bélla geránt aliī, tú felix Áustria nūbe. Oder: Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate. Im Nachbarland hatte geschickte Heiratspolitik unter den Habsburgern einen herausragenden Stellenwert. Nicht so erfolgreich war Pfalzgraf Philipp, der zwischen 1535 und 1541 bevorzugt in Burglengenfeld residierte. In dieser Zeit reiste er mehrfach nach England, mit dem Ziel, Mary Tudor zu heiraten, die Tochter Königs Heinrichs VIII., die später als „Bloody Mary“ in die Geschichtsbücher einging. Leider waren seine Bemühungen und alle kostbaren Geschenke vergebens. Dennoch: „Strategische Entscheidungen? Heiraten des Hauses Pfalz-Neuburg“ ist am Freitag, 25. August, um 19 Uhr im Rathaussaal das Thema eines Vortrags von Dr. Barbara Zeitelhack, Leiterin des Stadtarchivs Neuburg an der Donau. 

Das exakte Datum der Stadterhebung ist der 15. November, der heuer auf einen Mittwoch fällt. Der offizielle Festakt findet statt im Zehrgaden auf der Kaiser- und Herzogsburg zu Lengenfeld. „Es könnte keinen passenderen Rahmen und keinen passenderen Ort dafür geben“, sagt Bürgermeister Thomas Gesche, der daher Irene Heuser und dem Sozialwerk Heuser ausdrücklich für die Erlaubnis zur Nutzung der historischen Stätte dankt. Den Festvortrag hält Dr. Wolfgang Janka von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München. Sein Thema lautet: „Überlegungen zur Ersterwähnung der Stadt und zur sprachlichen Entwicklung des Ortsnamens“.

Aus der Schlossbrauerei Naabeck: Das Burglengenfelder Jubiläumsbier

Ein besonderes Schmankerl zum Jubiläumsjahr macht die Schlossbrauerei Naabeck möglich: Das Burglengenfelder Jubiläumsbier. Seit dem späten Mittelalter wurde in Burglengenfeld untergäriges Bier gebraut. Die große Bedeutung des Bierbrauens machen noch heute die 46 großen Bierkeller deutlich, die wohl im 16. Jahrhundert in die Felsen des Kreuzbergs am Naabufer getrieben wurden und die der Kellergasse ihren Namen gegeben haben. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren mehr als 100 brauberechtigte Bürger in der Kommunbraugesellschaft zusammengeschlossen.

Dies nahm Presse- und Kulturreferent Michael Hitzek zum Anlass, bei Naabecker-Chef Wolfgang Rasel nachzufragen, ob die Schlossbrauerei ein Jubiläumsbier einbrauen könne. Schließlich vertreibt die Schlossbrauerei Naabeck in der Nachfolge der Familie Birkenseer, der letzten Brauerei vor Ort, heute noch Burglengenfelder Bier. Rasel sagte sofort zu. Und so wird das Burglengenfelder Jubiläumsbier beim Volksfest im April und Mai ausgeschenkt. 

Die Spezialität ist erhältlich in Burglengenfeld in den Getränkemärkten von Netto, Scharl und Hausler sowie in den Märkten von REWE und Edeka. Getränke Scharl verkauft das Jubiläumsbier auch in den Filialen in Maxhütte-Haidhof und Teublitz.

Ökumenischer Festgottesdienst

Der ökumenische Festgottesdienst anlässlich des Jubiläumsjahres findet statt am Mittwoch, 26. April 2017, um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Vitus, zelebriert von Pfarrer Franz Baumgartner, Pfarrer Helmut Brügel und Pfarrer Gottfried Tröbs. Die Bevölkerung ist herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Der Stadtrat hatte im vergangenen Jahr für das Jubiläumsjahr ein Gesamtbudget von 20.000 Euro beschlossen, das im städtischen Haushalt für 2017 einzuplanen ist. Eine Fest- oder Jubiläumsschrift war bereits im Kultur-Ausschuss abgelehnt worden. 

Und 2017 darf noch mehr gefeiert werden, unter anderem musikalisch mit vielen Konzerten anlässlich der Jubiläen „50 Jahre Musikkapelle St. Vitus“ und „45 Jahre Jura-Blaskapelle Pilsheim“. Mit dem Fischerfest im Juni ist das Oberpfälzer Jugendkönigsfischen verknüpft, in der  Steinbruch-Arena des Zementwerks finden im Juli gleich zwei Konzerte statt.