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11.12.2019

Aktivkohle-Anlage: Rohrleitungen werden montiert

Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Dipl.-Ing. (FH) Josef Hollweck, Leiter des Referats Technik der SWB, informierten über den Stand der Bauarbeiten. Im Hintergrund die beiden riesigen blauen Druckbehälter, die im Bedarfsfall mit Aktivkohle befüllt werden.

Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Dipl.-Ing. (FH) Josef Hollweck, Leiter des Referats Technik der SWB, informierten über den Stand der Bauarbeiten. Im Hintergrund die beiden riesigen blauen Druckbehälter, die im Bedarfsfall mit Aktivkohle befüllt werden.

Wasserversorgung: Im Raffa läuft der Bau der Aktivkohle-Anlage auf Hochtouren. Derzeit montiert die Firma Stich in dem neuen Gebäude die Rohrleitungen. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth rechnet damit, dass die Arbeiten bis Ende des ersten Quartals 2020 abgeschlossen sein werden.

Der Bau der Aktivkohle-Anlage – Kosten rund 1,1 Millionen Euro – ist eine reine Vorsichtsmaßnahme auf Anraten der Fachstellen. Gluth bekräftigt: „Nach wie vor gilt: Das Trinkwasser, das aus unseren drei Brunnen im Waldgebiet Raffa kommt, bedarf keiner Aufbereitung und kann direkt und ohne Zusätze an die Verbraucher abgegeben werden.“

Ratschläge von Fachleuten

Wassergewinnung in offenen Karstgebieten hat oft einen unzureichenden natürlichen Schutz. Das Wassereinzugsgebiet Burglengenfelds ist Teil des Gesamteinzugsgebietes des Jurakarsts. Karstgebiete gelten in der Fachwelt als „besonders grundwassersensibel“. Der bereits langjährig für die Wasserversorgung Burglengenfeld tätige Hydrologe Dr. Karl-Heinz Prösl hatte, ebenso wie das Gesundheitsamt Schwandorf und das Wasserwirtschaftsamt Weiden, zum Bau der Aktivkohle-Anlage geraten. Dies sei eine Maßnahme, die notwendig ist, um im Falle einer Gefährdung gewappnet zu sein. 

Gefahren im Wasserschutzgebiet

Bei der Aktivkohle-Anlage handelt es sich um einen sogenannten „Polizeifilter“. Die Anlage wird nur im Bedarfsfall in Betrieb genommen, also wenn aufgrund unvorhergesehener Ereignisse eine Beeinträchtigung der Wasserqualität zu befürchten ist. „Ein Fall, der hoffentlich nie eintreten wird“, sagte Gluth. Sollte er aber eintreten, werden die Druckbehälter binnen 24 Stunden mit Aktivkohle befüllt. Handlungsbedarf bestehe unter anderem dann, wenn z.B. bei einem Unfall Öl oder Benzin austritt, was ja schnell geschehen kann, da viele auch überregional bedeutsame Straßen wie die frühere B15 (jetzt: Staatsstraße 2397) das Wasserschutzgebiet durchziehen. Zudem liegen im Zustrombereich der Brunnen viele landwirtschaftlich genutzten Flächen, von denen eine Gefahr ausgehen kann.

Aktivkohleaufbereitungen werden in der Trinkwassergewinnung eingesetzt, um diverse unerwünschte organische Substanzen wie Pflanzenschutzmittel (Terbuthylazin, Atrazin, etc.) oder Kohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel, etc.) aus dem Wasser zu entfernen. Die Aktivkohleaufbereitung bietet eine Art Sicherheitsnetz, durch das eine relativ große Bandbreite von Schadstoffen vor der Abgabe an den Verbraucher aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden kann.

Gluth machte deutlich, dass der aktuelle Bau der Aktivkohle-Anlage nur eine Maßnahme von mehreren ist, um den Verbrauchern auf Dauer sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können. Als weitere Bausteine nannte er die  Ausweisung eines Wasserschutzgebietes, ständige Begehungen des Trinkwasserschutzgebietes sowie insbesondere die Vereinbarung über trinkwasserschonende Bewirtschaftung der Flächen im Trinkwasserschutzgebiet mit den Landwirten. In diesem Zusammenhang bedankte sich Gluth auch ausdrücklich bei den im Wasserschutzgebiet tätigen Landwirten für ihre Bereitschaft, aktiv am Grundwasserschutz mitzuarbeiten.

Woher kommt unser Trinkwasser?

Das Trinkwasser für Burglengenfeld und die Gemeinde Holzheim am Forst kommt aus drei Brunnen (Brunnen III, IV und V), die alle im Forstgebiet Raffa liegen. Die Förderung des Trinkwassers erfolgt immer aus zwei Brunnen gleichzeitig, die gemeinsam laufen. Die Wässer treffen sich dann im so genannten Mischbauwerk in der Nähe des Kunstwaldgartens, von dem aus sie in die Leitungen Richtung Burglengenfeld und Holzheim am Forst  gepumpt werden. Direkt neben dem Mischbauwerk wird die Aktivkohle-Anlage errichtet. Wichtig für die Verbraucher: „Die Wasserqualität ist sehr gut und entspricht in allen Belangen den strengen gesetzlichen Anforderungen an Trinkwasser“, betont Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth.

Hintergrund: Aktivkohleaufbereitung in Karstgebieten

Wassergewinnungen in offenen Karstgebieten haben oft einen unzureichenden natürlichen Schutz. Der Karstgrundwasserleiter ist häufig nur durch geringmächtige Deckschichten geschützt oder hat gar keine schützende Auflage. Über Klüfte im Gestein oder Dolinen kann Niederschlags- und Oberflächenwasser schnell ins Grundwasser gelangen. Schadstoffe von der Oberfläche können so auf schnellem Weg ins Grundwasser eingetragen werden.

Durch eine grundwasserschonende Bewirtschaftung/Flächennutzung in den Einzugsgebieten der Trinkwassergewinnungen kann die Gefahr des Schadstoffeintrags vermindert werden. Aufgrund der meist großen Einzugsgebiete mit unterschiedlichster Flächennutzung (Siedlungen, Landwirtschaft, etc.) kann dies jedoch nicht flächendeckend kontrolliert/beherrscht werden. Daher ist in offenen Karstgebieten ein zusätzlicher Schutz durch eine Aktivkohleaufbereitung zu empfehlen.

Aktivkohleaufbereitungen werden in der Trinkwassergewinnung eingesetzt, um diverse unerwünschte organische Substanzen wie Pflanzenschutzmittel (Terbuthylazin, Atrazin, etc.) oder Kohlenwasserstoffe (Benzin, Diesel, etc.) aus dem Wasser zu entfernen. Die Aktivkohleaufbereitung bietet so eine Art Sicherheitsnetz, durch das eine relativ große Bandbreite von Schadstoffen vor der Abgabe an den Verbraucher aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden kann. 

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