• Kahn im Naabtal bei Burglengenfeld
  • Burglengenfelder Bürgerfest
  • Bulmare - Das Wohlfühlbad
13.05.2020

Kriegsende in Burglengenfeld

Arbeiter beim Bau der Naabbrücke, 1925. Warum die Brücke im Zweiten Weltkrieg nicht gesprengt wurde, ist bis heute unklar. (Aufnahme aus der Sammlung des Oberpfälzer Volkskundemuseums, Burglengenfeld)

Arbeiter beim Bau der Naabbrücke, 1925. Warum die Brücke im Zweiten Weltkrieg nicht gesprengt wurde, ist bis heute unklar. (Aufnahme aus der Sammlung des Oberpfälzer Volkskundemuseums, Burglengenfeld)

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa durch die vollständige Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Aus diesem Anlass hat Stadtarchivar Dr. Thomas Barth die Ereignisse dieser Tage vor 75 Jahren in und um Burglengenfeld zusammengefasst:

Der Zweite Weltkrieg endete in Burglengenfeld am Sonntagnachmittag, den 22. April 1945. Amerikanische Truppen nahmen handstreichartig die Naabbrücke ein und ermöglichten damit den eigenen Einheiten den schnellen Vormarsch auf Regensburg, da ansonsten alle anderen Brücken über die Naab gesprengt worden waren. Obwohl auch die Brücke über den Regen in Regenstauf zerstört worden war, kam es erst in Kareth und Hainsacker zu Gefechten mit der deutschen Wehrmacht.

Das gesamte Städtedreieck konnte sich in den Tagen nach dem 23. und 24. April glücklich schätzen, den Krieg einigermaßen heil überstanden zu haben. Wie fatal sich der totale Krieg gegen die eigene Bevölkerung richten konnte, hatte die Schwandorfer Zivilbevölkerung am 17. April erfahren, als englische Bomber große Teile der Stadt in Schutt und Asche legten. Trotzdem forderten die letzten Wochen und Tage des Kriegs noch Opfer: Ein Tieffliegerangriff auf einen Personenzug in der Nähe des Bahnhofs Ponholz  kostete mehreren Soldaten und einer weiblichen Hilfskraft das Leben. Die Opfer verstarben teilweise im Krankenhaus in Burglengenfeld. Auch der Tod eines russischen Zwangsarbeiters, der ebenfalls das Opfer amerikanischer Tieffliegerangriffe in der Schamotte in Maxhütte-Haidhof geworden war, wurde in Burglengenfeld beurkundet, da er im Krankenhaus verstarb.

Granatenbeschuss in der Keller- und Naabgasse

Belegt ist, dass es am 23. April, wahrscheinlich außerhalb von Burglengenfeld, zu einem kurzen Feuergefecht kam. Eine amerikanische Regimentsgeschichte (The 3rd Cavalry Reconnaissance Squadron) berichtet, dass dabei mindestens zwei deutsche Soldaten fielen. Wie die Einnahme von Burglengenfeld am Tag zuvor ablief, ist 75 Jahre nach Kriegsende nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Zum 50. Jubiläum des Kriegsendes 1995 konnte die Leiterin des Oberpfälzischen Volkskundemuseums, Dr. Margit Berwing-Wittl, für einen Vortrag aber noch auf die Erinnerungen von Zeitzeugen zurückgreifen: Beim Einmarsch amerikanischer Panzer auf dem Marktplatz kam es nach ihrer Einschätzung sehr wahrscheinlich zu einer kurzen Auseinandersetzung mit deutschen Soldaten und Angehörigen einer ungarischen SS-Einheit, die sich in der Stadt befand. Aufgrund von Entschädigungsforderungen, die in der Nachkriegszeit gestellt wurden, ist ebenfalls dokumentiert, dass die Amerikaner Gebäude in der Keller- und Naabgasse durch Granatenbeschuss beschädigten.

Unklar: Warum wurde die Naabrücke nicht gesprengt?

Bis heute ungeklärt ist die Frage, warum nur die Burglengenfelder Brücke den Amerikanern kampflos in die Hände fiel, alle anderen Naabbrücken aber gesprengt wurden. Obwohl die Brücke von einem Sprengkommando vermint worden war, wie sich beim Abriss bzw. Neubau der heutigen Pithiviers-Brücke 1974 und 1975 herausstellte, blieb sie unbeschadet. Das entgegengesetzte Schicksal traf hingegen die Eisenbahnbrücke, die von den Angehörigen der ungarischen SS-Einheit gesprengt wurde.

Die seit 1945 kursierenden Erklärungsversuche stellte Dr. Berwing-Wittl in ihrem Vortrag 1995 kurz zusammen: Das Verdienst, die Brücke gerettet zu haben, nahm etwa der damalige Bürgermeister Dr. Fleischmann in Anspruch, der sich in den Tagen zuvor für ihre Rettung bei den deutschen Offizieren bemüht hatte. Sogar bei der Verleihung der Goldenen Bürgermedaille im September 1972 wurde diese Aktion ausdrücklich erwähnt. Auch der Zementwerksdirektor Lemm reklamierte die Tat für sich, weil er angeblich im Steinbruch den benötigten Sprengstoff hatte verstecken lassen. 

Andere Geschichten erklärten die nichtzustande gekommene Sprengung der Brücke mit der Abwesenheit eines Offiziers, der in der Vorstadt bei einer weiblichen Bekanntschaft von der schnellen Ankunft der Amerikaner überrumpelt worden war. Denkbar wäre auch, dass sich die ungarischen Soldaten in einem Wirtshaus in der Vorstadt so reichlich dem noch vorhandenen Alkohol hingaben, dass sie die Sprengung aus den Augen verloren. Am wahrscheinlichsten erscheint die Erklärung, die die bereits erwähnte amerikanische Regimentsgeschichte lieferte: Amerikanische Truppen fingen einen Kradmelder ab, der den Befehl zur Sprengung hätte überbringen sollen.

Gefechte im Bereich der Umlandgemeinden

In den Wäldern um Burglengenfeld (Richtung Pottenstetten bzw. Schmidmühlen) kam es jedoch sehr wohl zu Gefechten zwischen amerikanischen und deutschen Truppen. In Mühlberg (damalige Gemeinde Lanzenried) wurde durch die US-Armee ein Haus in Brand gesetzt, in Höchensee 2 Tagwerke Wald durch Kämpfe oder Unachtsamkeit in Brand gesetzt.  Nach Auskunft von Dr. Berwing-Wittl fanden im Juli 1944 Flieger- und Bombenangriffe in der Ortschaft Machtlwies bzw. den umliegenden Wäldern statt, die zu Waldbränden führten. Das Standesamt Lanzenried wurde bei Kriegsende vollständig vernichtet und erst später durch eine Abschrift der im Landratsamt verwahrten Zweitschrift ersetzt. In Eichlhof  (Altgemeinde Büchheim) bombardierten wenige Tage vor Kriegsende noch Tiefflieger vermeintliche Flakstellungen am Waldrand. Tatsächlich setzten sie nur Holzstöße in Brand.

Für die Stadt, ihre Umgebung, die einheimische Bevölkerung und die hier inzwischen bereits untergekommenen Flüchtlinge endete damit der 2. Weltkrieg trotzdem einigermaßen glimpflich. Weniger Glück hatte hingegen der kommunistische Funktionär und Lokalpolitiker Josef Schmid, der zwar das Kriegsende überlebte, aber Ende Mai an den Misshandlungen, die er im KZ-Dachau erlitten hatte, verstarb. Auch anhand seines Schicksals konnten die Menschen in Burglengenfeld nachvollziehen, zu welchen Verbrechen die Machthaber im nationalsozialistischen Deutschland fähig gewesen waren. Die Josef-Schmid-Straße erinnert bis heute an ihn und die Jahre zwischen 1933 und 1945.

Einen Beitrag von Dr. Thomas Barth zum Kriegsende in Teublitz finden Sie hier.

<- zurück